Die Raupe

 

Aussehen

Frassspuren und Verhalten 

Umwandlung zur Puppe

 

Schmetterlingsraupen können ganz unterschiedlich aussehen. In der Regel haben sie 3 Paar Thorakalbeine (Brustbeine), 4 Paar Abdominalbeine (Bauchbeine) und 1 Paar Nachschieber. Je nach Art kann die Grösse der Raupe beträchtlich variieren. So gibt es Raupen, die nur wenige Millimeter gross sind und andere, welche bis zu 15 cm lang werden.  

Brustbeine, Bauchbeine und Nachschieber von Parnassius Apollo (Apollofalter) (von rechts nach links gesehen)
Brustbeine, Bauchbeine und Nachschieber von Parnassius Apollo (Apollofalter) (von rechts nach links gesehen)

 

 

 

Die Beine der Raupe

 

Die Thorakalbeine (Brustbeine resp. Brustfüsse) sehen vielfach hakenförmig aus. Sie besitzen oft Dornen,  während die Abdominalbeine (Bauchbeine) saugnapfartig ausgebildet sind.  In  der Fachliteratur werden diese Art Beine resp. Füsse als Klammerfüsse bezeichnet. Die Nachschieber wiederum sind ähnlich im Aufbau wie die  Bauchfüsse.

Thorakalbein (Brustbein) von Helicoverpa armigera (Baumwoll-Kapseleule)
Thorakalbein (Brustbein) von Helicoverpa armigera (Baumwoll-Kapseleule)
Bauchfüsse von Helicoverpa armigera (Baumwoll-Kapseleule)
Bauchfüsse von Helicoverpa armigera (Baumwoll-Kapseleule)
Bauchfüsse von Odontopera bidentata (Doppelzahnspanner)
Bauchfüsse von Odontopera bidentata (Doppelzahnspanner)
Bauchfüsse von Papilio machaon (Schwalbenschwanz) in starker Vergrösserung. Man beachte die feinen Haare an den Füssen.
Bauchfüsse von Papilio machaon (Schwalbenschwanz) in starker Vergrösserung. Man beachte die feinen Haare an den Füssen.
Die Nachschieber von Papilio machaon (Schwalbenschwanz) mit saugnapfartiger Haftung am Untergrund.
Die Nachschieber von Papilio machaon (Schwalbenschwanz) mit saugnapfartiger Haftung am Untergrund.

 

 

 

Kopf und Augen der Raupe

 

Auf jeder Seite des Kopfes der Raupe fallen 6 kleine Punktaugen auf (genannt Stemmata). Diese Punktaugen sind halbkreisförmig angeordnet (5 Punktaugen im Halbkreis, 1 Auge in der Mitte des Halbkreises). Die Punktaugen erlauben es der Raupe kaum, bildlich zu sehen.

Punktaugen von Odontopera bidentata (Doppelzahnspanner)
Punktaugen von Odontopera bidentata (Doppelzahnspanner)

 

Es gibt auch Raupen, die zur Abschreckung vor Feiden Augen vortäuschen, welche jedoch keine Augen sind.

vorgetäuschte Augen von Shargacucullia verbasci
vorgetäuschte Augen von Shargacucullia verbasci

 

 

Es gibt Raupen, welche den Kopf einziehen können. Dies ist bei Bläulingsraupen der Fall. Meist ist der Kopf bei der Fortbewegung sichtbar. Im Ruhezustand ist er eingezogen.

Raupe mit ausgestrecktem Kopf von Polyommatus coridon
Raupe mit ausgestrecktem Kopf von Polyommatus coridon
dieselbe Raupe mit eingezogenem Kopf
dieselbe Raupe mit eingezogenem Kopf

 

 

 

Die Atmung der Raupe

 

Die Atmungsorgane der Raupe liegen beidseits des Körpers. Es sind Atemlöcher oder sogenannte Stigmen. Sie können je nach Raupenart unterschiedlich gefärbt sein.

Atemlöcher (hier gut sichtbar als kleine schwarze Punkte) von Polyommatus coridon
Atemlöcher (hier gut sichtbar als kleine schwarze Punkte) von Polyommatus coridon
Ein stark vergrössertes Atemloch (Stimga) von Helicoverpa armigera (Baumwoll-Kapseleule) (markiert mit rotem Pfeil). (Man beachte den Öffnungsspalt in der Mitte der Stigmata.)
Ein stark vergrössertes Atemloch (Stimga) von Helicoverpa armigera (Baumwoll-Kapseleule) (markiert mit rotem Pfeil). (Man beachte den Öffnungsspalt in der Mitte der Stigmata.)

 

 

 

Andere Raupenformen 

 

Es gibt jedoch Raupen, welche nebst 3 Paar Brustfüssen und 1 Paar Nachschieber nur 1 Paar Bauchfüsse haben. Das ist normalerweise bei den Geometridae der Fall. Diese (auch Spanner genannte) Arten bewegen sich ruckartig weiter, indem sie ihren Körper aufwölben und wieder absenken. Sie spannen gewissermassen den Weg. 

Spannerartige Fortbewegung von Lycia hirtaria (Geometridae-Art)
Spannerartige Fortbewegung von Lycia hirtaria (Geometridae-Art)

 

 

Dann gibt es auch Raupen ohne erkennbare Beine wie bei den Limacodidae (Schneckenspinner). Und wie der Name schon sagt, bewegen sich diese Raupen wie Schnecken im Kriechgang fort. 

Schneckenartige Fortbewegung bei Apoda limocodes (Limacodidae-Art)
Schneckenartige Fortbewegung bei Apoda limocodes (Limacodidae-Art)

 

 

Wiederum andere tragen ihr ganzes Leben lang einen Sack mit sich, in welchen sie sich jederzeit zurückziehen können. Der Sack wird immer hinten nachgezogen. Das sind die Sackträger oder Psychidae-Arten. Diese Säcke können ganz unterschiedlich gebaut sein. Vgl. hiezu die Ausführungen unter Psychidae.

Raupe mit Sack (Diplodoma laichartingella) (Psychidae - Sackträger-Art)
Raupe mit Sack (Diplodoma laichartingella) (Psychidae - Sackträger-Art)

 

 

In der Mitte der Unterlippe befindet sich das Spinnorgan, aus welchem die Raupe Sekret ausscheidet, um Spinnfäden zu erzeugen. Dieses Sekret wird oft gebildet, wenn sich die Raupe bei Gefahr oder anderweitig von der Pflanze abseilt (vgl. unten Calospilos sylvata). Bei anderen Arten wiederum dienen diese Spinnfäden zur Kokonbildung, woraus dann ev. Seide gewonnen werden kann.  Auch wird in einigen Fällen mit dem Spinnfaden die Raupe zur Puppenumbildung an die Unterlage geheftet.

 

 

 

Schutz vor Feinden

 

Raupen haben viele Möglichkeiten sich vor Fressfeinden zu schützen. Sei es durch Tarnung, durch Brennhaare, dornenartige Fortsätze, durch grelle Farben oder durch Gift. Es gibt auch Raupen, die bei Gefahr eine stinkende Flüssigkeit aussondern oder bei Störungen eine Drohgebärde annehmen. 

Tarnung von Odontopera bidentata
Tarnung von Odontopera bidentata
Brennhaare von Thaumetopoea pityocampa
Brennhaare von Thaumetopoea pityocampa
Dornenartiger Fortsatz und grelle Farbe von Hyles euphorbiae
Dornenartiger Fortsatz und grelle Farbe von Hyles euphorbiae
Die giftige Raupe von Zygaena lonicerae wird von Vögeln gemieden. Sie enthält Blausäure.
Die giftige Raupe von Zygaena lonicerae wird von Vögeln gemieden. Sie enthält Blausäure.
Drohgebärde von Cerura vinula (Grosser Gabelschwanz)
Drohgebärde von Cerura vinula (Grosser Gabelschwanz)

 

 

 

Häutung der Raupe

 

Während die Raupe wächst, bildet sich unter der alten eine neue Haut. Die alte Haut dehnt sich aus, platzt und wird abgestreift. Eine solche Häutung findet je nach Art bis zu acht mal statt. Die Dauer der Raupenentwicklung ist je nach Art sehr verschieden. Einige Arten verpuppen sich nach 2 - 3 Wochen, während andere mehrere Jahre als Raupe leben. 

Papilio machaon (Schwalbenschwanz) am Abstreifen der alten Haut
Papilio machaon (Schwalbenschwanz) am Abstreifen der alten Haut
abgestreifte Raupenhaut von Diaphora mendica (Arctiidae, Bärenspinner)
abgestreifte Raupenhaut von Diaphora mendica (Arctiidae, Bärenspinner)

 

 

Oft dient die abgestreifte Haut der Raupe nach der Häutung als erste Nahrung, wie im unten abgebildeten Fall. 

Raupe von Agrochola macilenta beim Auffressen der alten Haut
Raupe von Agrochola macilenta beim Auffressen der alten Haut

 

 

 

Nahrung der Raupe

 

Die meisten Raupen sind Pflanzenfresser. Einige leben im Innern von Pflanzen wie in Samen, Knospen, Blüten, Früchten, Rinden und Wurzeln. Es gibt unter den Raupen aber auch solche, die sich von tierischen Stoffen ernähren und sogar Kannibalen, welche andere Raupen auffressen, wie die unten abgebildete Trapezeule.

Cosmia trapezina (Trapezeule)
Cosmia trapezina (Trapezeule)

 

 

Die Bläulingsraupen werden von den Ameisen in deren Nest getragen. Während die Ameisen den Bläulingsraupen durch Betrillern ein Sekret entlocken, tun sich die Bläulingsraupen an der Ameisenbrut gütlich.

Raupe von Ameise begleitet (Polyommatus coridon)
Raupe von Ameise begleitet (Polyommatus coridon)

 

 

 

Geselligkeit der Raupen

 

Während viele Raupen schon als Jungraupe auf sich allein gestellt sind, leben andere gesellig in einem Gespinst. Sie verlassen dieses oft nur zur Nahrungsaufnahme und ziehen sich nachher wieder ins Nest zurück.

Raupengespinst einer Malacosoma-Art am Boden
Raupengespinst einer Malacosoma-Art am Boden
Raupennest von Trichiura crataegi (Weissdornspinner) auf Weissdorn
Raupennest von Trichiura crataegi (Weissdornspinner) auf Weissdorn
Raupengespinst von Eriogaster arbuscula (Alpen-Wollafter) auf einer Pflanze
Raupengespinst von Eriogaster arbuscula (Alpen-Wollafter) auf einer Pflanze
Raupennest von Thaumetopoea pityocampa (Pinien-Prozessionsspinner) hoch oben auf der Pinie
Raupennest von Thaumetopoea pityocampa (Pinien-Prozessionsspinner) hoch oben auf der Pinie

 

 

In den Bergen sieht man oft Widderchen-Raupen (Zygaena exulans) in grösseren Gruppen beisammen, obwohl diese Raupen an und für sich einzeln leben.

Zygaena exulans-Raupen beisammen im Gras
Zygaena exulans-Raupen beisammen im Gras
Gesellschaft von Zygaena exulans-Raupen auf einem Fels
Gesellschaft von Zygaena exulans-Raupen auf einem Fels

 

 

 

Auf dem Weg zur Verpuppung

 

Auf dem Weg zur Verpuppung können Raupen weite Strecken zurücklegen. Dies kann einzeln geschehen oder, wie im Fall der unten abgebildeten Raupen von Thaumetopoea pityocampa, in einer Einerkolonne. Die Raupen des Pinien-Prozessionsspinners verpuppen sich denn auch gemeinsam.

43 Raupen auf dem Weg zur Verpuppung (Pinien-Prozessionsspinner)
43 Raupen auf dem Weg zur Verpuppung (Pinien-Prozessionsspinner)

 

 

 

Die Umwandlung  zur Puppe (ausführlichere Darstellungen siehe hier >)

 

Die Umwandlung von der Raupe zur Puppe wird auf dem unten gezeigten Bild schön sichtbar.

Umwandlung zur Puppe von Parage aegeria (Waldbrettspiel)
Umwandlung zur Puppe von Parage aegeria (Waldbrettspiel)
Dieselbe Raupe verpuppt und mit alter Raupenhaut
Dieselbe Raupe verpuppt und mit alter Raupenhaut

Quellen:

- "Tagfalter und ihre Lebensräume" der Schweizerischen Lepidopterologischen Arbeitsgesellschaft, Bd. 1

- Wikipedia Internetforum

- "Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas" Tom Tolman und Richard Lewington, 1997 

 

 

 

Update 20. 12. 2023